Wenn die Fieberkurven der Börsenplätze mal wieder Jojo spielen und Regierungen sich erneut gezwungen sehen, mit nicht existierenden Milliarden um sich zu werfen (Milliarden, die erst durch das Werfen entstehen), dann kann auch jemandem wie mir, dessen Konto grundsätzlich allerspätestens 5 Tage vor Monatsende leer ist, leicht schwindelig werden. Ich habe mich schon immer verrückt machen lassen. Wenn sich dazu kein Anlass finden ließ, hab ich´s mir eben selbst besorgt. Vielleicht eine Art masochistischer Selbstbefriedigung. Dank medialen Overkills finde ich in den letzten Jahren aber immer was.
Allerdings wird es mir auch langsam langweilig, weil das ja alles irgendwie nicht ganz stimmig ist. Weder ist der Wald gestorben, noch hat mich der über mich hineinbrechende Kapitalismus zum Obdachlosen gemacht, ganz abgesehen von H1N1, BSE, CDU/FDP oder 9live. All das und noch viel, viel mehr wurde mir oder habe ich mir selbst zu schlimmen Bedrohungen erklärt.
Ich, und vermutlich alle Anderen auch, wurden von Beginn des eigenen Lebens an zugeschissen mit vermeintlichen Schrecklichkeiten, die alsbald eintreten würden. Weisheiten von – wie ich heute weiß – nur sehr spartanisch weisen Menschen, Glaubenssätze und Allgemeingültigkeiten und ideologische oder einfach nur bescheuerte Behauptungen, deren Nichtbeachtung uns auf dem kürzesten Wege in Teufels Küche oder aber wenigstens auf den Friedhof hätten bringen müssen. Kucke ma da, ich bin immer noch hier.
Eine besonders perfide, und von Astrophysikern und sehenden Menschen längst widerlegte und zudem endlos dämliche Falschaussage ist das von mir in der Überschrift zitierte „Von Nichts, kommt Nichts.“ Auch wenn die Mathematik von jeher behauptet, dass jede Multiplikation mit 0 (also Nichts) immer wieder nur Nichts ergeben kann, tut sich selbige doch aber auch schon immer sehr schwer damit, die Existenz des Universums zu erklären. Dreist wie die Logiker nun mal sind, begründen sie ihre Unfähigkeit damit, dass ihnen die nötigen Informationen zu einer Berechnung fehlen würden. Nun, das ist dummerweise eine der Eigenschaften des Universums, dass es nur Informationen in sich trägt, die sich innerhalb des Universums befinden. Höhö. Der Logiker steht ja aber über den Dingen. Fast so ein Arschloch wie mein Verstand. Fast.
Im Gegensatz zu den Mathematikern könnte man das Universum aber ja auch mal als Mensch betrachten. Und dann ist diese Aussage mit dem Nichts aus dem Nichts käme, schlichter Unsinn. Dieser blöde Spruch soll ja (meist junge) Menschen dazu animieren, irgendeinen Scheiß zu machen und nicht untätig das Leben zu genießen. Dabei handelt es sich um eine der größten Lügen überhaupt. Denn wer sehen kann wird auch erkennen, dass menschlich betrachtet (fast) ALLES aus dem NICHTS kommt. Ein paar Beispiele gefällig? Bitte schön:
Als die größte Energiequelle liefert die Sonne pro Jahr eine Energiemenge von etwa 3,9 • 1024 J, das entspricht 1,08 • 1018 kWh, auf die Erdoberfläche. Diese Energiemenge entspricht mehr als dem 7.000-fachen des Weltprimärenergiebedarfs.
Dafür muss kein Mensch einen Finger krumm machen. Trotzdem wird meine Scheiß-Stromrechnung immer teurer. Oder:
Erdöl entsteht aus abgestorbenen Meeresorganismen wie Algen. Sie werden während mehreren hunderttausend bis mehreren Millionen Jahren auf dem Meeresgrund abgelagert.
Keine dieser Algen hat ein Mitspracherecht, was die Preisgestaltung ihrerselbst an der Tankstelle betrifft. Aber ich muss abdrücken. Ohne die Alge müssten die Ölscheichs Fahrrad fahren oder auf´m Kamel reiten. Mit Alge bauen sie kilometerhohe Wolkenkratzer. Oder:
Das auf der Erde vorkommende Gold ist – wie alle Elemente die schwerer sind als Eisen – bei Kernverschmelzungsprozessen in einer Supernova entstanden, bevor unsere Sonne existierte. (wikipedia.de)
Kein Gramm Gold ist vom Menschen erschaffen. Was Menschen tun können, ist den Preis des Goldes in astronomische Höhen zu treiben. Aber im Ernst: Was machen Menschen eigentlich?
Sie formen. Mehr nicht.
Mit Energie kann man viele interessante Dinge anstellen. Maschinen Arbeit verrichten lassen. Bei Dunkelheit Licht machen.
Erdöl lässt sich zu Benzin raffinieren. Damit fahren heutige Autos. Und in diesen Autos sitzen Menschen, die zu faul sind ihre Beine zu benutzen oder denen ihre Beine nicht schnell genug gehen.
Gold ist ein tolles Element, eignet sich hervorragend zur Herstellung elektronischer Geräte. In erster Linie benutzen Menschen Gold aber für etwas völlig absurdes, nämlich als Werterhaltungsmittel. Gold ist zwar tatsächlich fast unverwüstlich, rostet nicht und wird erst nach unvorstellbar vielen Jahren vergehen (wie alles vergehen wird), aber essen kann man es nicht. 50 Kilo Gold mögen an der Wall Street ein Vermögen sein, in der Sahara ist es nichts wert.
Menschen machen keine Energie, machen kein Erdöl und machen kein Gold. Energie, Erdöl, Gold und viele andere Dinge sind Geschenke der Natur. Wir Menschen machen etwas daraus, etwas Gutes oder etwas weniger Gutes. Oder nix. Geschenk bleibt aber Geschenk. „Von Nichts kommt Nichts?“, als Mensch müsste ich mich über diese Aussage halb tot lachen.
Oder nehmen wir die Geschichte. Was musste ich für die Erfindung der Glühlampe tun? Nichts! Ich kann einfach in den Supermarkt gehen und eine kaufen, falls sie nicht gerade von der EU verboten wurde. Der von mir gezahlte Preis spiegelt jedenfalls nicht im Geringsten den Wert dieser genialen Erfindung wider. Es ist ein Geschenk. An mich. Danke.
Oder das politische System in dem ich lebe. Die wenigsten meiner Mitmenschen haben die Absicht, mir mit Gewalt ihren Willen aufzuzwingen. Warum eigentlich nicht? Ich wäre vielleicht gar kein schlechter Sklave.
Ich profitiere von Jahrhunderten kultureller Entwicklung, zu der ich NICHTS beigetragen habe. Das Rechtssystem, welches ich allen Unkenrufen zum Trotz jederzeit zu Hilfe rufen kann falls mir Unrecht geschieht, ist ein Geschenk. Unbezahlbar!
Ich könnte jetzt noch mit meinen Organen, meinem Gehirn und meiner DNA anfangen…wer hat meine Leber gemacht? Ich war´s jedenfalls nicht, aber ich bin sehr glücklich, dass ich eine habe, Prost!
Es ließe sich an dieser Stelle einwenden, dass die hier aufgeführten von mir so genannten Geschenke ja „nichts Besonderes“ seien. Aber warum eigentlich nicht? Weil diese Geschenke vielen, aber bei weitem nicht allen Menschen zur Verfügung stehen, aber zumindest fast allen im meinem direkten Umfeld? Ist ein Geschenk deshalb weniger wert, weil es alle bekommen? Ist ein Porsche mehr wert als eine gesunde Leber? Wohl kaum, und trotzdem neiden viele anderen Leuten ihren Porsche. Was soll das?
Es ist der Fluch des Vergleichs.
Vergleichen vernebelt die Sinne, zerstört Zufriedenheit, führt weg vom Glück und macht Genuss unmöglich.
Wenn mir eine Currywurst ganz ausgezeichnet schmeckt, dann ja wohl nicht deshalb, weil ich diese Currywurst mit der aus der letzten Woche, die mir nicht so gut geschmeckt hat, vergleiche. Die Wurst schmeckt einfach, sie ist scheiße-lecker, befriedigt mich.
Wenn ich ein Stück Musik einfach liebe, dann wohl kaum, weil ich es vergleiche mit anderen Songs. Würde sich mein Wertesystem tatsächlich aus Vergleichen speisen, wäre ich eine ganz arme Sau.
Ich liebe meine Frau, aber nur solange, bis mir eine „bessere“ über den Weg läuft. Ich bin mit meinem Auto zufrieden, aber nur, bis mein Nachbar das neuere Modell vor der Tür zu stehen hat. Ich fand den Film immer großartig, es war in dem Moment vorbei mit der Großartigkeit, als ich einen besseren Film sah. Solchen Aussagen wird hoffentlich jeder einen Vogel zeigen.
Und dennoch definiert sich in der mich umgebenden Welt sehr vieles über Vergleiche. Das dumme Gequatsche vom „Exportweltmeister“ ist da nur die Spitze des Eisbergs. Denn man kann wohl die Frage stellen, ob man der Beste ist, selbst wenn diese sich bejahen lässt, haben wir das Thema Zufriedenheit noch gar nicht berührt. Und doch ist dieses natürlich das entscheidende.
Durch Vergleich ist Zufriedenheit nicht zu finden. Ein Vergleich gibt nur Antwort auf die Frage, wo ich in einem Ranking stehe. Es gibt kaum etwas Unwichtigeres.
Wer sich und seine Position über Vergleiche definiert, verliert sich selbst, verliert das Wesentliche im Leben. Und vergisst, was tatsächlich etwas wert ist, all die Geschenke die mir als Mensch gemacht werden. Tag für Tag, ein Leben lang. Geschenke, die ich voller Demut annehmen, deren Wert ich aber auch jeden Tag durch dummes Vergleichen zerstören kann. Damit degradiere ich mein Leben zu einem Wettbewerb, in dem Freude, Genuss, Glück und Liebe keinen Platz haben.
Dummheit ist kein Unvermögen, sondern eine Fähigkeit. Eine Fähigkeit, die auf diesem Planeten bisher nur der Mensch entwickelt hat. Eine Fähigkeit, die mir mit viel Mühe beigebracht wurde, und man versucht es noch.
Wenn es einen Sinn des Lebens gibt dann den, das Leben als das zu erkennen, was es ist: Ein Geschenk.
Ein Geschenk, über das es allen Grund gibt, sich zu freuen.
Annehmen und danken!